Kaufhausdetektiv, Privatermittler, Versicherungsdetektiv – der Detektivberuf hat viele Gesichter. Zu denen, die hauptsächlich mit richtig großen „Fischen“ zu tun haben, gehören die Kunstdetektive. Sie spüren gestohlene Gemälde, Skulpturen und generell Kunstwerke auf. Dr. Ulli Seegers ist eine von ihnen. Die 37jährige arbeitet für das „Art Loss Register“ mit Sitz in Köln, einer Einrichtung, die von Versicherungen, Auktionshäusern und dem Kunsthandel 1991 ins Leben gerufen wurde. Inzwischen umfasst die Datei der Werke, die verschwunden sind, rund 200.000 Einträge.
Neuester Fall für Dr. Seegers und ihr Team sind die vier in der Schweiz mit Waffengewalt entwendeten Gemälde „Mohnfeld bei Vétheuil“ von Claude Monet, „Graf Lepic und seine Töchter“ von Edgar Degas, „Blühender Kastanienzweig“ von Vincent van Gogh und „Der Knabe mit der roten Weste“ von Paul Cézanne. Die Werke sind sofort in die Datenbank aufgenommen worden. „Auf dem freien Markt lassen sie sich jetzt nicht mehr so leicht verkaufen“, sagt Dr. Ulli Seegers. Und den Mythos, dass Sammler die Bilder in geheimen Kellerräumen ganz alleine für sich bewundern, hält sie für ein Märchen aus Hollywood.
Ihrer Erfahrung nach nehmen Diebe alles mit, was irgendwie zu Geld zu machen ist. Den Kunstmarkt habe dabei auch schon die organisierte Kriminalität für sich entdeckt, die auf millionenschwere Deals mit den Versicherungen aus ist. Im aktuellen Fall geht sie davon aus, dass es sich um eine Erpressung handelt. Doch darauf lässt sich die Kunstdetektivin nicht ein. Oberstes Ziel ist es, die Bilder zurückzubekommen. Dazu arbeiten die Detektive von Art Loss Register sehr eng mit der Polizei zusammen, studieren Auktionskataloge, Broschüren und stöbern im Internet. In vielen Fällen – von immerhin 1000 neuen jeden Monat – war der Aufwand von Erfolg gekrönt.
Nicht nur in der Schweiz dürften Kunstdetektive und Kunstversicherer derzeit Konjunktur haben. In Haushalten und Firmen schlummern Milliardenwerte, die eine (Ab-/Ver-)Sicherung nötig hätten.