Die Diskussion, ob es sich in Deutschland besser lebt, wenn man arbeiten geht oder Hartz IV bezieht, hat inzwischen auch die EU erreicht. Der Anreiz, für sein Auskommen zu arbeiten, sei in der Bundesrepublik zu gering, heißt es aus Brüssel. Ein Problem, das viele Arbeitgeber zur Genüge kennen. Sie haben oft mit Angestellten zu tun, die sich lieber krank schreiben lassen als ihrem Job nachzugehen. Ob es sich um Simulanten und Blaumacher handelt, klären Detektive im Auftrag der Unternehmen, wenn es berechtigte Zweifel daran gibt, dass der Betreffende auch wirklich arbeitsunfähig ist.
Ein Privatermittler, der seit über 30 Jahren im Geschäft ist und mehrere dieser Fälle übernommen hat, zeichnet kein sonderlich schönes Bild dieser Mitarbeiter. Sie seien nicht faul, sondern nutzten die Krankschreibung für einen Nebenjob oder ganz einfach, um dem Hobby zu frönen. Die freie Zeit werde herausgeschlagen um das zu machen, was gerade als wichtig erachtet wird. Anleitungen, wie man am schnellsten und einfachsten krankgeschrieben wird, fänden sich zuhauf im Internet. Allerdings, schränkt der Detektiv ein: Einige Arbeitgeber hätten ein komplettes falsche Bild von der Arbeitsunfähigkeit. Der Gang ins Freibad sei noch lange kein Beweis für Blaumachen. Denn Schwimmen könne ja schließlich auch der Gesundheit und Genesung dienen.
Dass überhaupt eine Detektei beauftragt wird, um die Mitarbeiter zu beschatten, hält Bernhard Baduras, Professor für Gesundheitswissenschaften an der Uni Bielefeld für reine Kontrollsucht. Es gebe kaum noch Fehlzeiten. Der Schaden durch so genannte Blaumacher sei daher nur noch als gering zu bezeichnen. Angestellte und Arbeiter, die den gelben Schein ausnutzten, seien vielmehr ein Einzelphänomen. Trotzdem nimmt die Zahl der Anfragen durch Arbeitgeber beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MKD) zu, der in derlei Fragen als Schiedsgericht fungiert. 70.000 Nachfragen waren es in 2006.