Passwörter, Firewall und Virenscanner machen ein PC-System noch lange nicht sicher. Es bedarf nicht einmal des Zugangs zu einem der Rechner, um Daten zu erhalten. Es reicht eine einfache Ausrüstung und ein gut gewählter Platz, von dem aus man seiner Spionagetätigkeit nachgehen kann. Spiegelung und Reflexion lauten die Zauberwörter für jeden, der mehr wissen möchte als er sollte. Dass es funktioniert, haben Informatiker der Universität Saarbrücken getestet.
Die Idee klingt wie ein aus Hollywood-Thriller. Da sitzt jemand mit einem Fernglas und liest einfach mit. Ganz so einfach ist es nun auch nicht. Denn den Bildschirminhalt zu erkennen ist meist recht schwer. Dafür kann man sich an die Brille, eine Tee- oder Kaffeekanne halten, auf der sich alles widerspiegelt. Gibt es keine reflektierenden Flächen, wird die Pupille beobachtet und auf Reaktionen gewartet. Dann muss nur noch die Digitalkamera parat liegen und im richtigen Moment ein Foto gemacht werden. Moderne Software sorgt später dafür, dass die verzerrten Spiegelbilder von Brille oder Tasse etwas hergeben.
Brillengläser haben sich bei dem Test als bestes Medium erwiesen, um an Passwörter oder Bilanzen zu gelangen. Eine Schrift in der Größe Zwölf-Punkt konnte noch aus zehn Metern ausgelesen werden. Trägt der Betreffende keine Brille, reichen schon die Spiegelungen auf der Pupille aus. Wie gut die Ergebnisse sind, hängt mit von der Ausrüstung ab. Investiert man ein paar Euro mehr, verspricht diese Methode sehr gute Erfolge. Die Wissenschaftler raten Firmen daher beim Umgang mit firmeninternen Daten, besser die Vorhänge zu schließen und auf Auffälligkeiten in gegenüberliegenden Fenstern zu achten.