Weibliche Detektive im Roman

Hartgesottene Kerle, die gerne einen über den Durst trinken und auch sonst eher unkonventionell vorgehen, haben das Bild des Roman-Detektivs über Jahre hinweg geprägt. Frauen in der Rolle der Ermittlerin waren Mangelware. Wenn sich eine Autorin daran wagte, musste sie mit dem Spott der Kollegen rechnen. Einen weiblichen Profi – Miss Marple übernimmt zwar eine gewisse Vorreiterrolle, allerdings nur als Amateur – brachten sie daher erst relativ spät ins Spiel. In den 70er Jahren wurde das Eis gebrochen und Krimis von, für und mit Frauen zum Renner.

Die Figur der Sharon McCone, geschaffen von Marisa Muller im Roman „Edwin of the Iron shoes“ war die erste Detektivin, die beruflich auf Mörderjagd ging. Sara Paretsky und Sue Grafton sprangen auf den Zug auf und sorgten für einen grundlegenden Wandel im Detektivroman, der ausgehend von den Vereinigten Staaten in die ganze Welt getragen wurde. Bekannt wurden damit unter anderem Doris Gerke, Regula Venske und Ingrid Noll. Sie hauchten der Frau als Detektiv zumindest literarisch Leben ein, mal als professionelle Privatdetektivin, mal als Psychologin, Pathologin oder auch Kräuterfrau, die sich mit Kriminalfällen beschäftigen.

Laut der Amerikanistik-Professorin Evelyne Keitel hat die neue Garde der Schriftstellerinnen ihren Figuren weit menschlichere und sympathischere Züge gegeben als sie noch Sherlock Holmes und Co. hatten. Sie setzen bei ihren Ermittlungen mehr auf Eingebungen, Gefühle sowie „merkwürdige Gedankenverbindungen“, die immer neu geordnet werden, bis sie sich letztlich verdichten und der Fall gelöst ist. Das sei, so die Professorin, ergiebiger als trockene Logik. Dass die Leser diese Art schätzen, beweisen die Verkaufszahlen der Romane.

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