Die Zahl der Unternehmen, die Beratungsbedarf in Sachen Spionageabwehr anmelden, steigt sprunghaft. Das merkt auch der Verfassungsschutz in Hamburg, zu dessen Aufgaben es gehört, Firmen anzuleiten, sicherer und weniger blauäugig zu agieren. Denn an Tricks mangelt es den zumeist ausländischen Wirtschaftsspionen nicht. Als besonders dreist und derzeit verstärkt aktiv gelten die Chinesen, doch auch aus dem Iran droht Gefahr. Während China auf Innovationen hofft, baut der Iran auf Massenvernichtungswaffen und versucht mit allen Mitteln, die nötige Technologie und das Material zu erhalten.
Wie schnell es gehen kann, hat kürzlich erst ein Geschäftsreisender aus Hamburg erfahren müssen. Er war in Peking und nur kurz im Restaurant. In seinem Hotelzimmer stellte er dann fest, dass sein Notebook aus der Aktentasche genommen wurde. Die Mühe, es wieder zu verpacken, hatten sich die Spione nicht einmal gemacht. Andere Wege, an Daten und Informationen zu kommen, sind Delegationsbesuche, bei denen sich einzelne Mitglieder absondern, um Fotos zu machen. Oder Mitarbeiter aus China schieben jeden Tag Überstunden, in denen nicht gearbeitet, sondern fleißig kopiert wird. Die Alarmglocken sollten schon dann schrillen, wenn die Bewerbungsunterlagen zu 100 Prozent auf die Ausschreibung passen – und das, obwohl der Bewerber noch relativ jung ist und gar nicht so viel Erfahrung mitbringen kann.
Ziel des Verfassungsschutzes ist es, offensiv mit dem Thema Spionage umzugehen und zu informieren. Selbst Hotels lassen sich beraten, damit die Gäste einigermaßen sicher sind. Als ersten Schritt rät man den Unternehmen zu Geheimhaltungsvereinbarungen mit den Angestellten und Zugangsbeschränkungen. Als schützenswert gelte dabei alles, was der Firma einen Wettbewerbsvorteil bringt. In der Pharmaindustrie beispielsweise neue Wirkstoffe und Medikamente. Ein Unternehmen, das in China produzieren ließ und bemerkte, dass seine Produkte als Plagiat auf dem Markt kamen, lässt seither nur noch Massenware im Land des Lächelns herstellen. Die Mitarbeiter reisen grundsätzlich ohne Handy oder Notebook an und haben nur noch Papierunterlagen im Gepäck.
Großunternehmen wurden schon immer durch den Verfassungsschutz beraten. Die Inititative ging meist vom Verfassungsschutz aus. Nur vermutete man den “Feind” da eher hinter der Mauer. Wirtschaftsspionage gab es schon immer, nur rückt es im Zeitalter der Globalisierung jetzt mehr in den Vordergrund.