Archiv für Januar 2009

Die Bahn ließ 173.000 Mitarbeiter überprüfen

Donnerstag, 29. Januar 2009

Die bislang zum Überwachungsskandal bei der Bahn genannten Zahlen kratzten allesamt nur an der Oberfläche. Sie sind lediglich die Spitze des Eisberges, dessen wahre Ausmaße jetzt ans Tageslicht kamen, weil der Antikorruptionsbeauftragte des Unternehmens, Wolfgang Schaupenstein, vor dem Verkehrsausschuss des Bundestages Tacheles reden musste. Ausgegangen wurde von 1.000 Fällen. In Wirklichkeit wurden in der Zeit von 2002 bis 2003 über 173.000 Mitarbeiter überprüft. Das sind fast drei Viertel aller Beschäftigten des Konzerns. Eine Zahl, die auch für die Politiker nur schwer zu verdauen ist, selbst angesichts der Erklärung der Bahn, der Datenabgleich sei rechtlich nicht zu beanstanden.

Ins Visier geraten sind damit nicht nur die Führungskräfte der Bahn, sonder beinahe jeder, der auf der Lohnliste steht. Kontrolliert wurden Bankverbindungen, Rufnummern und die Adressen, um mögliche Überschneidungen mit den 80.000 Lieferanten des Unternehmens zu finden. Dass eine Detektei mit diesen Maßnahmen betraut worden war, davon erfuhren die Angestellten nichts. Erst vorige Woche erfolgte die Anweisung, die „Mitarbeiter ins Bild zu setzen“. Freude kam in der Belegschaft nicht auf. Ein Manager sprach von blankem Entsetzen. Bei den Aufsichtsräten dürfte es eher Wut sein. Informiert war nur der vierköpfige Prüfungsausschuss, die übrigen 16 Mitglieder wussten von nichts und erfuhren wie die Mitarbeiter erst jetzt von den Aufträgen an die Detektive.

Mit der Affäre, bei der unter dem Strich in 175 Fällen ein Tatverdacht vorlag und entsprechende Maßnahmen eingeleitet wurden, soll sich jetzt der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates beschäftigen. Diesen Antrag stellte das Bundesverkehrsministerium. Auch der Verkehrsausschuss des Bundestages wird die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen. Denn Vermutungen, dass die Mitarbeiter ausgespäht werden, gab es schon früher. Horst Friedrich, Verkehrspolitiker der FDP, sieht die Bahn und insbesondere Konzernchef Helmut Mehdorn angesichts des Ausmaßes in Erklärungsnot und betonte, das Unternehmen sei kein rechtsfreier Raum.

Bahn ließ Mitarbeiter überwachen

Dienstag, 20. Januar 2009

Projekt Eichhörnchen – klingt niedlich und irgendwie nach Umweltschutz. Mit Ökologie hat die Aktion jedoch herzlich wenig zu tun. Vielmehr stehen ökonomische Überlegungen im Vordergrund und haben für einen neuen Überwachungsskandal gesorgt. Dieses Mal steht die Deutsche Bahn im Rampenlicht. Ihr Bemühen, gegen Korruption vorzugehen, hat dazu geführt, dass eine Detektei über 1.000 Personen kontrollierte – teils ohne konkreten Verdacht. Die Bahn nennt das Vorgehen „unbedingt notwendig“. Datenschützer haben an dieser Aussage so ihre Zweifel.

43 Aufträge erteilte das Unternehmen seit 1998. Die Ermittler sollten Daten wie Adressen, Telefonnummern und Bankverbindungen der Mitarbeiter unter anderem mit denen von Auftraggebern der Bahn abgleichen. Dabei ging es vornehmlich darum, Querverbindungen zu Lieferanten zu finden oder mögliche Einträge im Handelsregister. Der Stern, dem die Unterlagen vorliegen, zitiert: „Ziel der Überprüfung war es, das wirtschaftliche Engagement dieses Personenkreises außerhalb der Bahn zu überprüfen.“ Der Konzern selbst sieht sich als Opfer von Korruption und Wirtschaftskriminalität. So hätten Angestellte in der Vergangenheit Scheinfirmen gegründet, um von lukrativen Aufträgen zu profitieren.

Betroffen von der Überwachung sind vor allem die „Top-Tausende-Führungskräfte“ der Bahn. 774 Mitarbeiter gerieten in den Fokus der Detektive, mit ihnen 500 Ehepartner. Berlins stellvertretender Datenschutzbeauftragte, Thomas Petri, sieht in Aufträgen „erhebliche Anhaltspunkte für datenschutzrechtliche Verstöße“ und widerspricht damit der Bahn. Das Unternehmen erklärte, die Behörde hätte keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Ermittlungen gehabt und verweist auf den Thomas Dix, der als Datenschutzbeauftragter für die Aufsicht der Bahn zuständig ist. Zudem seien weder Telefone abgehört noch Konten ausgeforscht worden. Einen faden Beigeschmack hinterlassen die Rasterfahndungen – daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie dem Kampf gegen das Übel Korruption dienen sollten.

Schreiben, speichern, filmen – der Multifunktions-Spionage-Kuli

Freitag, 16. Januar 2009

James Bond und sein genialer Tüftler „Q“ lassen grüßen: Sie haben schon immer darauf gesetzt, möglichst viele Funktionen auf kleinstem Raum unterzubringen. Dieser Prämisse folgt auch die Mini-Spionagekamera in Kugelschreiberform. Elegant in Schwarz, abgesetzt mit Klipp, Spitze und Mittelstück in Silber schaut das Gerät nicht nur aus wie ein Stift. Nein, man kann sogar damit schreiben. Und wenn man den Kuli aufschraubt, erscheint ein USB-Stick. Die Kamera mit Mikrofon ist gut versteckt und dank einer zwei Millimeter großen Linse für niemanden sichtbar. Schade nur, dass Leuchtdioden – zwar auch sehr klein – anzeigen, dass gerade gefilmt wird.

Über die Qualität der Aufnahmen geben die Artikelbeschreibungen der Händler, darunter ein großer Buchversand, keine Auskunft. Auch der Hersteller hüllt sich in Schweigen. Auf der Seite der Firma findet sich nicht einmal ein Hinweis auf die Spionagekamera – oder er ist so gut versteckt, dass wirklich nur Geheimagenten ihn finden. Dabei wäre durchaus interessant zu wissen, mit welcher Auflösung das Gerät arbeitet, wie lichtstark das Objektiv ist und welche Brennweite es hat. Sonderlich viel Leistung sollte man nicht erwarten, wenn man die Preise sieht. Im Liveshopping ist das Gerät für knapp 50 Euro zu haben. Regulär kostet die Minikamera etwa 60 Euro.

Dass in den Kugelschreiber neben der Kamera auch ein vier Gigabyte USB-Stick integriert wurde, auf dem die Filme und sonstige Daten gespeichert werden können, ist recht praktisch. Einen Stift und einen Speicherstick kann man schließlich immer mal gebrauchen. Stellt sich nur eine Frage: Wie kann man mit dem Gerät unauffällig filmen? Denn darauf kommt es bei einem Spion doch an: So zu agieren, dass niemand etwas mitbekommt. Dürfte schwer sein. Ständig mit dem Kuli rumzufuchteln, sorgt garantiert für Fragen. Ihn einfach auf den Tisch zu legen, bringt auch nicht viel, es sei denn, man legt mehr Wert auf das gesprochene Wort und verkauft die Filme als moderne Kunst. Bringen wir es mal auf den Punkt: Es ist ein Spielzeug für große und kleine Jungs.

„Diebstahl lohnt sich nicht“, sagt die Polizei

Donnerstag, 08. Januar 2009

Für Polizisten gehört es zum Alltag, dass sie mahnend den Zeigefinger heben und auf Missstände oder Fehlverhalten hinweisen. Da bleibt es nicht aus, dass hin und wieder auch in Pressemitteilungen wichtige Lektionen erteilt werden. Die Polizei aus Düren beispielsweise weist angesichts des Erfolges eines Kaufhausdetektivs darauf hin, dass Diebstahl sich nicht lohnt. Eine Weisheit, die seit Anbeginn der Menschheit gepredigt wird, aber irgendwie sehr schnell verhallt und von einigen nicht so richtig ernst genommen wird. Die 16jährige, die in Düren mit aufs Revier musste, wird sich den Hinweis nun wohl zu Herzen nehmen – dafür sorgen schon die Eltern, die sie abholen mussten.

In vier Geschäften hatte sich das Mädchen den Fünffingerrabatt eingeräumt und Waren für 140 Euro eingesteckt. An ihrer letzten Station scheiterte sie am Ladendetektiv, der sie beim Diebstahl erwischte. Als sie die Taschen leeren musste, kamen unter anderem sieben Bücher, ein Geo-Dreieck, Badesalz, Make-up und ein süßer Riesenschnuller ans Tageslicht. Damit war sie nicht ganz so „fleißig“ wie eine 16jährige in Hagen, die 35 Kleinteile mitgehen lassen wollte. Begleitet wurde sie von einer 15jährigen Freundin aus Berlin, die zwar von den Diebstählen wusste, aber nicht aktiv beteiligt war. Für den Besuch endete der Ausflug nach Rücksprache mit der Mutter und dem Jugendamt in der Inobhutnahmestelle.

Deutlich aggressiver und uneinsichtiger zeigte sich ein 25jährigen in Essen-Altendorf. Er hatte es auf einen Adapter für knapp 13 Euro abgesehen. Da half es auch nicht, sich während der Tat hinter zwei Fernsehern zu verstecken. Er wurde auf frischer Tat vom Detektiv des Hauses ertappt und rastete im Büro aus, nachdem die Polizei verständigt wurde. Der 1,75 Meter große Mann zog ein Messer, verletzte den Sicherheitsmann und konnte flüchten. Bekannt ist nur, dass er neun Schlüssel und ein Jesusbild an seinem Schlüsselbund hat.