Als Direktor einer Ölgesellschaft genoss Raymond Chandler alle nur erdenklichen Freiheiten, inklusive einer Geliebten, für die er eigens ein Apartment einrichtete. Die Weltwirtschaftskrise riss auch ihn 1932 in den Abgrund. Er verlor seinen Job. Für Krimifans eine glückliche Wendung. Denn anderenfalls hätte Chandler, der vor 50 Jahren am 26. März 1959 verstarb, seine Liebe zur Sprache vermutlich nicht ausgelebt und wäre die Literatur um einige Klassiker ärmer. Darunter die Fälle von Philip Marlowe, einer Detektivfigur, die viele Schriftsteller inspirierte und zum Archetypen des Privatermittlers wurde.
Marlowe raucht, mal Pfeife, mal Zigaretten, trinkt Bourbon und hat eine Vorliebe für Schach, wenngleich er meistens nur alte Partien nachspielt. Er ist ein Einzelgänger, der nach außen hin als harter Ermittler auftritt, in seinem Herzen aber ein echter Romantiker ist und das im Roman „Der lange Abschied“ auch zum Ausdruck bringt. Raymond Chandler lässt den Detektiv in Los Angeles agieren, einem Moloch aus Korruption, in dem Moral zum Fremdwort verkommen zu sein scheint. Marlowe bildet in diesem Punkt eine Ausnahme. Er hat Grundsätze. Den Charakter umschreibt der Autor völlig schnörkellos: Marlowe ist zynisch, hartgesotten und stolz. „Er ist ein einsamer Mann. Sein Stolz besteht darin, dass man ihn wie einen stolzen Mann behandelt oder es sehr bald bereut, ihm je begegnet zu sein”, so Chandler.
Die Romane mit Philip Marlowe sind nicht künstlich konstruiert. Sie sind ein Spiegelbild der Gesellschaft jener Zeit, dringen durch alle Schichten und lassen Verbrechen, die andere Autoren wie einen Paukenschlag in den Vordergrund rücken, beinahe schon beiläufig wirken. Schade, dass Raymond Chandler nach dem Tode seiner Frau dem Alkohol verfiel. Vielleicht wäre noch der ein oder andere Klassiker auf seiner Schreibmaschine entstanden wie „Der große Schlaf“ (1939), „Lebwohl, mein Liebling“ (1940), „Das hohe Fenster“ (1942), „Die Tote im See“ (1943), „Die kleine Schwester“ (1949), „Der lange Abschied“ (1953) oder „Playback“ (1958). Das jüngste Werk hat Robert Parker vollendet: „Einsame Klasse“ (1989).