Politik kann schnell zu einem schmutzigen Geschäft verkommen, wenn der Kampf um Macht, Mandate und Mehrheiten ausgefochten wird. Im Hamburger Bezirk Nord geht es im Moment genau darum: Wer in Zukunft das Sagen haben wird. CDU und GAL sind Willens, eine Koalition einzugehen. Dem steht allerdings ein abtrünniges Mitglied der GAL im Weg, das Anfang des Jahres die Bezirksfraktion verlassen hatte und dadurch die Mehrheit gefährdet. Laut BILD und Hamburger Abendblatt, denen entsprechende Schreiben vorliegen, sollte nun ein Detektiv klären, ob der Politiker überhaupt berechtigt ist, ein Mandat im Hamburger Norden zu führen. Denn der Mann hat zwei Wohnsitze, einen in Hamburg, den anderen in Schleswig-Holstein.
Läge der Lebensmittelpunkt in Schleswig-Holstein, wovon die ehemaligen Parteikollegen ausgehen, müsste der Ex-GAL-Parlamentarier sein Mandat für die Bezirksversammlung abgeben. Die Fraktionsführung weist derlei Spitzelvorwürfe selbstredend weit von sich. Niemand sei ausgespäht worden. Die Partei habe lediglich ihren Anwalt damit beauftragt, die Adressen zu ermitteln. Die Briefe, die in den Hamburger Redaktionen der Zeitung liegen, sagen etwas anderes. Sie sind an den aktuellen Bezirksamtsleiter gerichtet und stammen von eben dem Anwalt, der für die GAL aktiv werden sollte. Demnach hat sich ein Detektiv an die Fersen des Abtrünnigen geheftet, um zu kontrollieren, wo er denn nun wirklich wohnt und lebt.
Hierüber wurde schon lange vorher diskutiert. Der Betroffene hat immer wieder Hamburg als seinen Hauptwohnsitz genannt. Die Partei ist fest davon überzeugt, dass es Halstenbek ist. Gelegen käme es der GAL. Denn die CDU möchte so langsam zu Potte kommen, will dem möglichen Koalitionspartner aber noch etwas Zeit lassen. Dass ein Detektiv das Umfeld des Politikers befragt hat, also Nachbarn und Geschäftsleute, beschäftigt nun auch den Verfassungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft. Ziel ist eine informelle Einigung. Gewundert hat es die Zielperson übrigens nicht, dass sie beobachtet und ausspioniert wurde. Mit einem Privatermittler hatte er zwar nicht gleich gerechnet, wohl mit einem Praktikanten.