Entdeckt wurde bislang vermutlich nur die Spitze des Eisberges namens Mitarbeiterüberwachung. Bahn, Telekom und Lidl haben sich in dieser Hinsicht wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Sie dienen vielmehr als schlechtes Beispiel, wobei Lidl für ein bitteres Sahnehäubchen sorgt. Der Konzern hat auch gleich die Krankheiten der Angestellten notiert und protokolliert. Gelandet sind diese sensiblen Daten schließlich in einem Müllcontainer. Für viele stellt sich nun die Frage, wie weit der Chef überhaupt gehen darf und was alles zur Person gespeichert wird.
Wir sind zwar nicht mehr sehr weit entfernt vom „gläsernen Menschen“, aber was Krankheiten anbelangt, haben sie den Betrieb nur in sehr wenigen Fällen zu interessieren. Lediglich bei Mitarbeitern in Krankenhäusern und Restaurants besteht in einigen Fällen eine Meldepflicht. Das gilt immer dann, wenn die Kollegen sich angesteckt haben könnten oder gar gefährdet sind. Auch wenn Arbeitsunfähigkeit diagnostiziert wird und eine Lohnfortzahlung ansteht, hat der Arbeitgeber ein Informationsrecht, das sich allerdings in sehr engen Grenzen bewegt. Damit sind Angestellte und Arbeiter jedoch nicht aus der Pflicht, sich krank zu melden – und zwar unverzüglich. Der Grund muss nicht genannt werden.
Hat der Chef Zweifel daran, dass sein Mitarbeiter überhaupt krank ist, und den Verdacht, dass sich jemand Freizeit verschaffen möchte oder schwarz arbeitet, sind Hausbesuche erlaubt. Ob der Boss nun selbst klingelt oder einen Detektiv beauftragt, den Angestellten zu überprüfen, ist ihm freigestellt. Sollte sich der Anfangsverdacht bestätigen und ist die Krankheit nur vorgetäuscht, wird es teuer. Dann muss der Mitarbeiter die Rechnung der Detektei bezahlen. Das hat das Arbeitsgericht Hannover entschieden (AZ: 5 Ca 118/91). Zudem droht die fristlose Kündigung. Das kann auch passieren, wenn jemand regelmäßig erkrankt und damit den Betriebsablauf stört.
Um welche Krankheiten bzw. welche Erkrankungen es sich dabei handelt, darf das Unternehmen nicht speichern. Man sollte sich allerdings nicht wundern, wenn man mit seiner Krankengeschichte überall im Betrieb prahlt, dass der Chef Wind davon bekommt. Sinnvoll ist es, über Krankheiten zu informieren, wenn sie sich auf die Arbeit auswirken könnten und gemeinsam eine Lösung gefunden werden kann.