Archiv für Juli 2009

Yellowpress belauscht Promis

Montag, 13. Juli 2009

Die britische Yellowpress ist bekannt dafür, auch kleinste Skandale, Fehltritte oder Neuigkeiten wie eine Zitrone auszupressen und in Riesenlettern auf der Titelseite auszuschlachten. Jetzt sind die beiden Boulevardblätter „News of the World“ und „The Sun“ selbst Thema der Schlagzeilen. Sie haben mit Hilfe einer Detektei die Handys tausender Prominenter, ob nun aus Film, Fernsehen, Politik oder Hochadel, angezapft und sich Zugriff zu den Mailboxen verschafft. Die vertraulichen Informationen wurden dann direkt in auflagensteigernde News verarbeitet. Modell Elle MacPherson (The Body) ist von der Abhöraktion ebenso betroffen wie der ehemalige Vize-Premierminister John Prescott und Schauspielerin Gwyneth Paltrow.

Dass sich die beiden Zeitungen widerrechtlich an den Sprachnachrichten zu schaffen machen, ist in der Branche längst bekannt. Schon 2007 standen ein Korrespondent der „News of the World“ und ein Privatdetektiv vor Gericht. Sie hatten es auf die Mailboxen des Personals der Queen abgesehen und waren dabei aufgeflogen. Der Detektiv zeigte sich weitaus gesprächiger als es dem Verlag lieb sein konnte. Er deutete an, dass man lediglich die Spitze des Eisberges aufgedeckt habe und weit mehr Personen abhört würden als nur die Damen und Herren rund um die Royals. Um das Thema so schnell wie möglich von der Bildfläche verschwinden zu lassen, zahlte die zum Imperium von Rupert Murdoch gehörende News Group eine Million Pfund Schweigegeld an einige Promis.

Das wird auf Dauer nicht reichen. Denn die Behörden haben im Haus des Privatdetektivs längst Listen gefunden, auf denen die Namen weiterer Prominenter stehen. Ein gefundenes Fressen für die übrigen Zeitungen auf der Insel, darunter der „Daily Telegraph“. Sie berichten, dass immer mehr Opfer – die Rede ist von insgesamt weit über 3.000 Prominenten – klagen wollen. Spannend würden die Prozesse allemal – und sicherlich medienwirksam inszeniert. Ob auch bei Scotland Yard Konsequenzen gezogen werden, ist fraglich. Gewusst hat die Polizei von den Vorgängen, sie aber nicht unterbunden. Auch der Parlamentsausschuss, der für die Medien zuständig ist, hat sich nur halbherzig mit den Vorfällen befasst.

Überwachungsskandal bei der Deutschen Bank

Montag, 06. Juli 2009

Die Liste der Unternehmen, die ihre Mitarbeiter bespitzeln bzw. bespitzelt haben, wird immer länger. Jetzt steht die Deutsche Bank in der Kritik, dass sie Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder sowie kritische Aktionäre von Detektiven hat überwachen und kontrollieren lassen. Beauftragt wurde die Detektei, die sich bereits bei der Telekom-Affäre nicht gerade rühmlich verhalten und gleich eine ganze Branche ins Zwielicht gestellt hat. Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, räumt „mögliche einzelne“ Verstößen gegen die Datenschutzbestimmungen ein. Von Stasi-Methoden zu sprechen, ist hier durchaus angebracht. Die Privatermittler, die für den Bankenprimus aktiv wurden, haben ihr Handwerk bei der Staatssicherheit der ehemaligen DDR gelernt.

Aufgedeckt hat den Skandal das Magazin „Spiegel“. Ganz sicher ist, dass Gerald Herrmann vom Aufsichtsrat der Bank und eines Zeichens Vertreter der Gewerkschaft Verdi überwacht wurde. Bei ihm hat sich die Deutsche Bank „formell und förmlich“ für die Vorgänge aus dem Jahr 2001 entschuldigt. Seinerzeit hatte Herrmann die Renditeziele der Bank angesichts des gleichzeitigen Stellenabbaus in Frage gestellt. Vorgeworfen wurde ihn, vertrauliche Daten weitergegeben zu haben. Da der Verdacht völlig aus der Luft gegriffen war, hatten die Detektive in diesem Fall nur wenig zu tun und konnten ihre Überwachung schon nach kurzer Zeit abbrechen.

Da die Deutsche Bank sich selbst bei der Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gemeldet hat, erfolgt jetzt eine Sonderprüfung. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein, insbesondere, ob es sich wirklich nur um Einzelfälle handelt, die jetzt ans Tageslicht kommen. Laut „Spiegel“ lässt sich anhand eines internen Prüfberichtes des Kreditinstitutes ablesen, dass auch Vorstandsmitglieder observiert worden sind. Sie sollen in Kontakt zum ehemaligen Medienmogul Leo Kirch gestanden haben, der die Bank für seine Pleite verantwortlich macht und klagt. Ebenfalls auf der Liste der Überwachungsopfer steht ein Aktionär, der sich kritisch geäußert hatte. Ihm haben die Detektive sogar mit weiblichen Lockvögeln eine Falle stellen wollen.