Yellowpress belauscht Promis

Die britische Yellowpress ist bekannt dafür, auch kleinste Skandale, Fehltritte oder Neuigkeiten wie eine Zitrone auszupressen und in Riesenlettern auf der Titelseite auszuschlachten. Jetzt sind die beiden Boulevardblätter „News of the World“ und „The Sun“ selbst Thema der Schlagzeilen. Sie haben mit Hilfe einer Detektei die Handys tausender Prominenter, ob nun aus Film, Fernsehen, Politik oder Hochadel, angezapft und sich Zugriff zu den Mailboxen verschafft. Die vertraulichen Informationen wurden dann direkt in auflagensteigernde News verarbeitet. Modell Elle MacPherson (The Body) ist von der Abhöraktion ebenso betroffen wie der ehemalige Vize-Premierminister John Prescott und Schauspielerin Gwyneth Paltrow.

Dass sich die beiden Zeitungen widerrechtlich an den Sprachnachrichten zu schaffen machen, ist in der Branche längst bekannt. Schon 2007 standen ein Korrespondent der „News of the World“ und ein Privatdetektiv vor Gericht. Sie hatten es auf die Mailboxen des Personals der Queen abgesehen und waren dabei aufgeflogen. Der Detektiv zeigte sich weitaus gesprächiger als es dem Verlag lieb sein konnte. Er deutete an, dass man lediglich die Spitze des Eisberges aufgedeckt habe und weit mehr Personen abhört würden als nur die Damen und Herren rund um die Royals. Um das Thema so schnell wie möglich von der Bildfläche verschwinden zu lassen, zahlte die zum Imperium von Rupert Murdoch gehörende News Group eine Million Pfund Schweigegeld an einige Promis.

Das wird auf Dauer nicht reichen. Denn die Behörden haben im Haus des Privatdetektivs längst Listen gefunden, auf denen die Namen weiterer Prominenter stehen. Ein gefundenes Fressen für die übrigen Zeitungen auf der Insel, darunter der „Daily Telegraph“. Sie berichten, dass immer mehr Opfer – die Rede ist von insgesamt weit über 3.000 Prominenten – klagen wollen. Spannend würden die Prozesse allemal – und sicherlich medienwirksam inszeniert. Ob auch bei Scotland Yard Konsequenzen gezogen werden, ist fraglich. Gewusst hat die Polizei von den Vorgängen, sie aber nicht unterbunden. Auch der Parlamentsausschuss, der für die Medien zuständig ist, hat sich nur halbherzig mit den Vorfällen befasst.

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