Beweismaterial von Detekteien wird ganz unterschiedlich bewertet

Aufgabe von Detekteien ist es unter anderem, Beweise zu sammeln, die einen Anfangsverdacht bestätigen oder gegebenenfalls auch widerlegen. Wie diese Beweise bewertet werden, obliegt dann nicht mehr den Detektiven, sondern häufig Richtern und Staatsanwälten. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, wie unterschiedlich Gerichte das Beweismaterial einstufen, und dass es durchaus auch überraschende Urteile geben kann.

Im ersten Fall versuchte eine Klinik-Gruppe einen Betriebsrat vor die Tür zu setzen. Das Verdi-Mitglied und der neue Verwaltungsdirektor waren sich von Anfang nicht grün. Um eine Grundlage für eine außerordentliche Kündigung zu haben, wurden Detektive beauftragt, den Mann zu observieren und Fehltritte zu dokumentieren. Das Vorgehen der Ermittler wurde von Verdi-Vertretern später als „Psycho Terror“ vergleichbar mit „Stasi-Methoden“ beschrieben. Die Detektive verfolgten den Betriebsrat auf Schritt und Tritt, tätigten Kontrollanrufe und standen regelmäßig vor der Haustüre. Vorbildlich war diese Art der Detektivarbeit sicherlich nicht. Auch am Erfolg mangelte es: In der Akte standen nachher lediglich Dienstfahrten, die angeblich falsch abgerechnet worden waren. Schaden: 11,20 Euro. Diese Beweise spielten vor Gericht gar keine Rolle. Die Klage der Klinik blieb vorerst erfolglos.

Der zweite Fall spielt in der Schweiz. Zwar gilt das Land als reich, doch auch hier gibt es Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Eine 46-jährige Frau hatte sich arbeitsunfähig gemeldet und erhielt daraufhin so genannte IV-Leistungen. Dass die Frau tatsächlich nicht arbeiten konnte, wurde vorab von einem Gutachter untersucht. Die Unfallversicherung schickte dennoch einen Detektiv, der sehr schnell Beweise dafür lieferte, dass die Frau recht aktiv im Haushalt werkelte. Die erste Instanz verurteilte die Leistungsempfängerin wegen Betrugs. Die zweite Instanz hingegen sprach sie von dem Vorwurf frei. Stattdessen schoben die Richter die Schuld auf den Gutachter, der sich von der Frau habe täuschen lassen. Der Arzt spricht von einem Skandal, zumal eine medizinische Begutachtung stark auf Treu und Glauben basiere und man erst einmal darauf vertrauen müsse, dass der Patient seine Lage wahrheitsgemäß schildere.

Hinterlasse eine Antwort