Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört zu den Menschen, die ohne Mobiltelefon aufgeschmissen wären. Termine koordinieren, Rücksprache halten oder allzu vorlaute Parteifreunde zur Raison bringen – fast alles wird angesichts des dicken Kalenders mobil erledigt. Damit die Sicherheit dabei nicht zu kurz kommt, erhalten die Bundeskanzlerin, ihre Kollegen vom Bundestag und hochrangige Beamte jetzt Krypto-Handys mit einem speziellen Prozessor, der sämtliche Sprach- und Textnachrichten inklusive E-Mails noch besser verschlüsselt. Kosten je Chip: 2.618 Euro plus Handy – einem Nokia E63.
Die Ausgaben in Höhe von mehreren Millionen Euro beweisen, dass Spionageabwehr längst nicht nur in der Wirtschaft thematisiert wird, sondern auch auf dem politischen Parkett oberste Priorität genießt. Schließlich soll nicht jeder mithören oder -lesen können, welche Pläne bei der Bundeswehr oder auf wirtschaftlicher Ebene verfolgt werden. Nachrichtendienste und andere Lauscher, die technisch in der Lage wären, normale Handygespräche abzufangen, dürften es dank der neuen Verschlüsselungschips jetzt erheblich schwerer haben, Einblicke in die Arbeit und geheimen Absprachen der Minister und Abgeordneten zu erhalten. Angela Merkel wird es freuen. Sie gilt laut einer inoffiziellen Liste als Handy-Meisterin und ruft in der Mittagspause auch schon mal beim französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy an.
Telefonate mit dem US-Präsidenten Barack Obama, einem großen Fan der Blackberry-Technik, werden allerdings auch mit der neuen Krypto-Technik nicht einfacher. Spontane Grüße oder ein Plausch nach Feierabend sind nicht drin. Jedes Gespräch muss vorher vereinbart und damit quasi angemeldet werden. Das liegt nicht etwa daran, dass die US-Amerikaner in punkto Spionageabwehr noch hartnäckiger sind, sondern schlichtweg an der Tatsache, dass jedes gesprochene Wort des Präsidenten aufgezeichnet wird – ohne Ausnahme.