Inzwischen sind zweieinhalb Jahre vergangen, seit der Fall Maddie McCann zu einem Medienereignis sondergleichen wurde. Die Entführung bzw. das Verschwinden des Mädchens im Mai 2007 aus einer Ferienanlage an der Algarve ist bis heute nicht geklärt. Vermutungen gibt es viele, heiße Spuren derzeit keine. Trotzdem sorgt der Fall erneut für Wirbel. Einer der Detektive, die sich seinerzeit auf die Suche nach dem Kind machten, hat jetzt ein Buch veröffentlicht und darin seine ganz persönliche Meinung zum Ausdruck gebracht. Sehr zum Missfallen der Eltern von Maddie.
Denn der Ermittler vermutet, dass die damals Vierjährige schon tot war, als sie verschwand. Das würde heißen: Entweder haben Entführer das Kind in der Ferienanlage umgebracht und die Leiche verschwinden lassen. Oder aber die Eltern sind in den Fall verwickelt – was auch die portugiesische Polizei immer wieder mehr oder weniger offen angedeutet hatte. Kate und Gerry McCann wurden jedenfalls mehrmals verhört. Doch auch die Gespräche mit den Behörden, ob nun aus England oder Portugal, brachten die Ermittlungen nicht einen Schritt weiter.
Dass der Privatdetektiv sich nun erlaubt, aus dem Fall Profit zu schöpfen und darüber hinaus noch eine aus Sicht der Eltern unhaltbare These aufstellt, führte schnurstracks vor Gericht. Das Urteil in dem Prozess, der seit knapp zwei Wochen läuft, soll Ende Januar gesprochen werden. Die McCanns verlangen von dem Detektiv aufgrund persönlicher Verleumdung Schadensersatz in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Auch das Buch soll verboten werden.
Gute Erfahrungen mit Detektiven haben die Eltern ohnehin nicht gemacht. Die erste Detektei, die sie beauftragt hatten – eine Firma, deren schlechter Ruf in der Branche ein offenes Geheimnis ist –, versprach eine schnelle Lösung und hatte angeblich die richtige Spur. Die verlief aber ebenso im Sand wie alle anderen Hinweise und Tipps, die man angeblich von Insidern erhalten hatte. Ähnlich erging es auch anderen Ermittlern, die eingeschaltet wurden. Ob der Fall jemals aufgeklärt wird, ist fraglich. Die Möglichkeit besteht nach wie vor, wenngleich die Zeit viele Spuren verwässert hat.