In Österreich blüht die Wirtschaftskriminalität

An Ideenreichtum, den einen oder anderen Euro extra zu verdienen, mangelt es anscheinend nicht. Zusätzlichen Auftrieb erhält die Phantasie wohl durch die Finanz- und Wirtschaftskrise. Dass einige dabei in Grauzonen abtauchen oder sich gleich auf ein illegales Spielfeld begeben, sorgt allerdings für einen bitteren Beigeschmack. Der wiederum kommt den Detekteien zugute. Sie haben deutlich mehr zu tun – zumindest in Österreich. Die Chefs schauen viel genauer hin. Firmen greifen schneller ein. Denn in Zeiten der Krise will jeder seine Schäfchen im Trockenen und nicht im Stall eines anderen wissen.

Das gilt umso mehr, wenn die Bemühungen, den Betrieb „am Laufen“ zu halten, aus den eigenen Reihen torpediert werden. Da stehlen Hotelangestellte Geschirr, um es in anderen Unterkünften zu verkaufen, und ein Kfz-Meister wird in der Freizeit in der heimischen Garage zur Konkurrenz für den Arbeitgeber. Derlei Fälle kennt Berufsdetektiv Lukas Helmberger zuhauf. Sie füllen seine und die Arbeitsbücher der Kollegen. Wirtschaftskriminalität gehört inzwischen den häufigsten Auftragsgründen. Das liege ganz einfach daran, dass die Firmen auf jeden Cent achten müssten.

Umso ärgerlicher, wenn man dann auf Betrüger hereinfällt, die im Namen einer nicht existenten Gesellschaft Waren und Dienstleistungen erhalten, aber nie bezahlen. Damit haben die Ermittler ebenso zu tun wie mit betrügerischen Insolvenzen und dem Verdacht auf unlauteren Wettbewerb. Zudem steigt die Angst, sich eine Zecke in den Pelz zu setzen – also Mitarbeiter in die Firma zu holen, bei denen mehr Schein als Sein vermutet wird. Bei einem berechtigten Verdacht, und nur dann wie die Detektive betonen, werden die Personen überwacht. Man sei kein Datensammler und distanziere sich auch plumpen Schnüffelaufträgen.

Viele Detekteien in Österreich suchen angesichts der Auftragslage übrigens selbst Nachwuchskräfte. Da es keine staatliche Ausbildungsverordnung für Ermittler gibt, springt der Verband ein. Momentan werden vor allem Frauen für den verdeckten Personenschutz gesucht. Man(n) bzw. Frau sollte sich den Job allerdings nicht so vorstellen wie er im Fernsehen präsentiert wird. Reich werde man bei einem Einstiegsgehalt von rund 1.000 Euro netto auch nicht. Dafür kämen Adrenalinjunkies durchaus auf ihre Kosten.

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