Wird ein falscher Arzt entlarvt und der Gerichtsbarkeit zugeführt, stellt sich vielen die Frage: Wie kann das passieren? Warum hat vorher keiner gemerkt, dass der Mann oder die Frau nie die Erlaubnis hatte, Menschen zu behandeln oder gar zu operieren? Die Antwort darauf ist so simpel wie ernüchternd: Es hat sich niemand die Mühe gemacht, den Lebenslauf und die Referenzen zu hinterfragen.
Meist fällt der Betrug erst auf, wenn es zu spät ist. Das gilt nicht nur im medizinischen Bereich und bei hochdotierten Posten. Inzwischen ist jeder Job so umkämpft, dass die Bewerberinnen und Bewerber zu nicht ganz astreinen Mitteln greifen, um sich in einem besseren Licht darzustellen.
Da den Personalabteilungen die Zeit fehlt, Punkt für Punkt und Zeugnis für Zeugnis auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, beauftragen viele Unternehmen Detektive. Ermittler, die schon seit Jahren im Geschäft sind, kennen die Tricks. Abgesehen vielleicht vom Foto – schließlich würde eine Retusche beim Vorstellungsgespräch auffallen – gibt es kaum einen Teil der Bewerbung, bei dem nicht geschummelt wird. Geht es nur darum, eine Lücke im Lebenslauf zu schließen, ist das vergleichsweise harmlos. Werden aber Belege beigefügt, die nicht vorhandene Qualifikationen vorgaukeln, kann das für ein Unternehmen ernste Folgen haben.
Angefangen beim Image-Schaden, wenn der Betrug auffliegt und in der Branche die Runde macht, bis hin zu möglichen Schadensersatzforderungen, weil die angebliche Fachkraft von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte. Zumindest Kandidat(inn)en, die in die engere Wahl für einen verantwortungsvollen Posten kommen, sollten daher vorab überprüft werden. Denn fehlendes Fachwissen wird in Vorstellungsgesprächen mit umso mehr Selbstbewusstsein überspielt. Die Detekteien nehmen sich in dem Fall die Zeugnisse vor, fragen bei vorherigen Arbeitgebern, der Schule oder der Universität nach. Damit geht man auf Nummer sicher und kann die Position punktgenau besetzen.