Langfinger werden immer älter

Die Augsburger Ladendetektive und damit auch die Polizei haben immer öfter mit Senioren zu tun, die sich am Zehn-Finger-Rabatt versuchen und dabei scheitern. 280 Langfinger, die im vergangenen Jahr gefasst wurden, waren 60 Jahre und älter. Das sind im Vergleich zum Vorjahr rund 80 Rentnerinnen und Rentner mehr, die mit dem Gesetz in Konflikt kamen. Bei den 14- bis 18-Jährigen ist die Zahl hingegen leicht rückläufig und liegt jetzt bei 342 (449). Insgesamt weist die Statistik in Augsburg 1.700 Ladendiebstähle auf. Dass es tatsächlich weit mehr sind, daran zweifeln weder Ordnungshüter noch Privatermittler.

Wenn sie jemanden erwischen, sind Anzeige und teilweise auch „Fangprämien“ obligatorisch. Nur bei wenigen Ausnahmen lassen die Detektive Gnade vor Recht ergehen. So bei einer 97-Jährigen, die in einem Supermarkt ein paar Süßigkeiten einsteckte. Ansonsten liegt die Toleranzgrenze bei null. Immerhin zwei Prozent der Waren verschwinden Jahr für Jahr aus den Geschäften, schätzt der Verband der Einzelhändler in Bayern. Neben Amateuren, die nur hin und wieder lange Finger machen, sorgen vor allem organisierten Diebesbanden für Unmut bei den Kaufleuten. Sie räumen gleich ganze Regale leer. Was sie aus dem Laden tragen, sei ihnen weitgehend egal, so die Erfahrung der Polizei.

Im Kampf gegen die Ladendiebe, ob alt, jung oder organisiert, setzen die Händler auf Detektive und modernste Sicherheitstechnik wie die Videoüberwachung. Zudem wird das Personal regelmäßig geschult und erhalten einige Waren inzwischen sogar einen Transponder. Damit lassen sich die gestohlenen Artikel auch außerhalb des Geschäftes orten. Aufgrund der hohen Kosten, rentiert sich diese Technik allerdings nur für das hochpreisige Sortiment. Als effektiv, aber datenschutzrechtlich zweifelhaft erwies sich der „elektronische Pranger“, den ein Geschäft eingeführt hatte und wieder aufgeben musste: Die Fotos der Diebe waren für jeden Kunden sichtbar.

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