Firmen unterschätzen die Gefahr von Wirtschaftskriminalität

Zahlen sagen manchmal mehr als tausend Worte, werden aber trotzdem nicht ernst genommen. Das trifft, sehr zum Leidwesen der Handelskammern, Verbände und der Politik, auch auf das Thema Wirtschaftskriminalität zu. Ob in der Bundesrepublik Deutschland oder in Österreich: Viele Firmen unterschätzen die Gefahr und laufen damit ins offene Messer. Alleine in Vorarlberg sind laut vorsichtiger Schätzungen bereits 50 Prozent der Unternehmen Opfer krimineller Handlungen geworden.

Unter dem Strich steht in der Alpenrepublik ein Gesamtschaden von jährlich 15 Milliarden Euro. Der Betrag gliedert sich unter anderem in drei Milliarden Euro Schaden durch Wirtschaftsspionage, fünf Milliarden Euro Verluste durch Produktpiraterie und sechs Milliarden Euro, die durch Korruption den Bach runtergehen. Diese Zahlen haben keine feste statistische Basis, denn nur maximal ein bis zehn Prozent aller Fälle von Wirtschaftskriminalität landen auf den Schreibtischen der Polizei oder der Staatsanwaltschaft. Der Rest wird verschwiegen, aus Angst vor einem Imageschaden. In dieser Hinsicht „ticken“ die Unternehmen in den beiden Ländern absolut gleich und bleiben nur Schätzungen zum Ausmaß der Schäden.

Dazu nennt Maximilian Burger-Scheidlin, Geschäftsführer der internationalen Handelskammer in Wien, ein klassisches Beispiel: Wird ein Mitarbeiter beim Betrug erwischt, greifen interne Lösungen – meist eine einvernehmliche Kündigung – und bleibt der Vorfall „geheim“. Aus diesem Grund steht die Wirtschaftskriminalität auch nur mit zwei Prozent in der Kriminalstatistik, während der Schaden ein Drittel ausmacht. Um das Problem nicht weiter wachsen zu lassen, stehen die Handelskammer sowie gut ausgebildete Detektive mit Rat und Tat zur Seite. Sie helfen Unternehmen, sicherer zu werden.

Das umfasst in Österreich zum Beispiel den Rat, Betriebsführungen nur noch auf ein Minimum zu reduzieren, um möglichen Spionen gar keine Chance zu geben. Statt im großen Stil sollte sich die Führung auf einen eng gefassten Rahmen beschränken und genau kontrolliert werden. Die Schwierigkeit liegt darin, überhaupt erst ein Problembewusstsein zu schaffen, damit die Firmen ihr Fachwissen und die teils selbst entwickelten Maschinen nach innen und außen schützen.

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