Archive for the ‘Alltag’ Category

Pimp my Lebenslauf

Montag, November 15th, 2010

Den Lebenslauf ein wenig abzurunden und um Qualifikationen zu erweitern, die nie erworben wurden, wird immer beliebter, ist allerdings auch ein gefährliches Spiel. Gesicherte Statistiken, wie viele Bewerbungen „geschönt“ wurden, gibt es zwar nicht. Die interne Auswertung einer Detektei ergab jedoch, dass von 5.000 Unterlagen knapp 1.500 mit gefälschten Daten versehen waren. Diese immens hohe Quote von 30 Prozent bleibt natürlich auch den Unternehmen nicht verborgen. Sie setzen daher immer mehr auf Detektivarbeit, um die Kandidaten genauer zu durchleuchten. Denn schlechte Erfahrungen mit unqualifizierten Mitarbeitern möchte niemand machen.

Um sich juristisch abzusichern, lassen viele Firmen die Jobanwärter inzwischen eine Einverständniserklärung unterschreiben, dass die Bewerbung überprüft werden darf. Alleine dieser Schritt führt dazu, dass 15 Prozent einen Rückzieher machen. Einige allerdings auch, weil sie schlichtweg nicht für einen Arbeitgeber tätig werden wollen, der seine Mitarbeiter kontrolliert. Dabei gilt: Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu verlieren. Wer hingegen ein wenig mit Software und Kopierer nachgeholfen hat, würde spätestens jetzt auffliegen. Da wird schon mal das Diplom der Freundin genommen und mit dem eigenen Namen versehen oder ein Text aus dem Internet, der von einem Namensvetter geschrieben wurde, auf die eigene Liste gesetzt.

Viele der „Änderungen“ lassen sich relativ leicht feststellen. Ein Zeugnis, das auf einem Sonntag ausgestellt wurde, ist zum Beispiel sehr unwahrscheinlich. Detektive empfehlen grundsätzlich, sich Originalbelege zeigen zu lassen. Denn Kopien auf den ersten Blick als Fälschung zu identifizieren ist selbst für Experten schwer. Wenn ein Bewerber auffällt und seinen Lebenslauf gepimpt hat, ist die Absage die harmloseste Folge. Im schlimmsten Fall geht die Sache vor Gericht, teilweise wegen Urkundenfälschung, aber auch wegen Täuschung. Wer bereits eingestellt wurde und dann enttarnt wird, muss sogar mit Schadenersatzforderungen rechnen und den aufgrund des gefälschten Profils zu viel erhaltenen Lohn erstatten.

Diebin kopiert CDs im Elektrofachmarkt

Montag, September 20th, 2010

Dass Ladendiebe immer dreister werden, ist nichts Neues. Doch das, was sich eine 52-Jährige in Rostock erlaubte, ließ selbst den gestandenen Detektiv eines Elektrofachmarktes staunen. Langfinger sind normalerweise darauf bedacht, von niemandem beobachtet zu werden, greifen die Waren und schleusen sie an der Kasse vorbei. Die Frau hingegen stellte sich in den Laden, nahm CD für CD aus dem Regal und eignete sich den Inhalt an, ohne die Silberscheiben aus dem Geschäft zu tragen. Wie das geht? Sie kopierte die CDs auf ihren Laptop.

Die „Diebin“ war nachmittags in das Fachgeschäft gegangen und hatte ihren Rechner dabei. Das ist insoweit nicht auffällig. Schließlich wird sie nicht die einzige Kundin sein, die möglicherweise Probleme mit dem Laptop hat, es zur Reparatur bringt oder dem Verkäufer eine Frage zur Installation stellt. Von daher achtete auch niemand auf sie. Doch statt in die PC- steuerte sie geradewegs in die Musikabteilung, startete den mobilen Computer und schob die CDs in das Laufwerk. Innerhalb weniger Minuten rippte sie die Titel auf die Festplatte und schnappte sich die nächste CD.

Dabei ließ sie sich weder von anderen Kunden stören, noch zeigte sie sich sonst irgendwie nervös. Erst als der Hausdetektiv sie ansprach und die Polizei kam, war das Spiel vorbei. Das Notebook dient jetzt als Beweisstück. Ladendiebstahl wird man der Frau nicht vorwerfen können. Dafür droht möglicherweise eine Anzeige wegen Urheberrechtsverletzung. Doch selbst das ist nicht sicher, da jeder das Recht hat, sich eine private Kopie des Originals zu erstellen. Wenn die Frau Glück hat, steht nur noch Sachbeschädigung in der Klageschrift. Denn die Verpackung musste sie aufreißen, um an den Inhalt zu kommen.

Detektive suchen fünf Millionen Euro

Montag, Juni 28th, 2010

Aufträge, bei denen es um fünf Millionen Euro geht, dürften selbst für gestandene Detektive die absolute Ausnahme sein. Diesen Betrag hatte ein ehemaliger Finanzberater veruntreut und von den Konten seiner Kunden auf das eigene Konto umgeleitet. Der Täter wurde geschnappt und saß bereits sechs Jahre hinter Gittern. Jetzt geht es darum, das Geld zu finden. Privatdetektive sind dem Mann beinahe Tag und Nacht auf den Fersen und haben eine erste heiße Spur, die allerdings sehr viel Arbeit und noch mehr Geduld verlangt.

Zwei Jahre hat es gedauert, bis sich ein erster Hinweis auf das Versteck ergab. Mitten in der Nacht war der heute 50-jährige Vermögensberater in einen Wald im deutsch-österreichischen Grenzgebiet gefahren. Die Uhr zeigte 2.32 Uhr, als die Detektive dem Mann im Rahmen der Observation über die holprigen Wege folgten. Rund eine Stunde war der ehemalige Bankangestellte im Wald unterwegs, ehe er zurückkam. Wenige Tage später soll er einem Gläubiger 100.000 Euro in feuchten und schimmeligen Scheinen gegeben haben. Daher der Verdacht: Das Geld muss in dem Waldgebiet versteckt sein.

Bei seiner Festnahme hatte der Täter erklärt, die italienische Mafia habe ihm den gesamten Betrag abgenommen. Glaubhaft klang diese Aussage nicht. Da der 50-Jährige seine Strafe abgesessen hat, ist er vorerst noch ein freier Mann. Sollten die Detektei das Geld allerdings finden, käme der Betrüger wegen Falschaussage wieder vor Gericht. Der Plan der Detektive ist jetzt, den gesamten Wald Stück für Stück zu durchsuchen. Sie gehen davon aus, dass der Vermögensberater die fünf Millionen Euro in Stahlkisten vergraben hat. Ob dem so ist, wird sich wohl erst nach vielen Stunden harter Detektivarbeit zeigen.

Langfinger werden immer älter

Montag, Juni 14th, 2010

Die Augsburger Ladendetektive und damit auch die Polizei haben immer öfter mit Senioren zu tun, die sich am Zehn-Finger-Rabatt versuchen und dabei scheitern. 280 Langfinger, die im vergangenen Jahr gefasst wurden, waren 60 Jahre und älter. Das sind im Vergleich zum Vorjahr rund 80 Rentnerinnen und Rentner mehr, die mit dem Gesetz in Konflikt kamen. Bei den 14- bis 18-Jährigen ist die Zahl hingegen leicht rückläufig und liegt jetzt bei 342 (449). Insgesamt weist die Statistik in Augsburg 1.700 Ladendiebstähle auf. Dass es tatsächlich weit mehr sind, daran zweifeln weder Ordnungshüter noch Privatermittler.

Wenn sie jemanden erwischen, sind Anzeige und teilweise auch „Fangprämien“ obligatorisch. Nur bei wenigen Ausnahmen lassen die Detektive Gnade vor Recht ergehen. So bei einer 97-Jährigen, die in einem Supermarkt ein paar Süßigkeiten einsteckte. Ansonsten liegt die Toleranzgrenze bei null. Immerhin zwei Prozent der Waren verschwinden Jahr für Jahr aus den Geschäften, schätzt der Verband der Einzelhändler in Bayern. Neben Amateuren, die nur hin und wieder lange Finger machen, sorgen vor allem organisierten Diebesbanden für Unmut bei den Kaufleuten. Sie räumen gleich ganze Regale leer. Was sie aus dem Laden tragen, sei ihnen weitgehend egal, so die Erfahrung der Polizei.

Im Kampf gegen die Ladendiebe, ob alt, jung oder organisiert, setzen die Händler auf Detektive und modernste Sicherheitstechnik wie die Videoüberwachung. Zudem wird das Personal regelmäßig geschult und erhalten einige Waren inzwischen sogar einen Transponder. Damit lassen sich die gestohlenen Artikel auch außerhalb des Geschäftes orten. Aufgrund der hohen Kosten, rentiert sich diese Technik allerdings nur für das hochpreisige Sortiment. Als effektiv, aber datenschutzrechtlich zweifelhaft erwies sich der „elektronische Pranger“, den ein Geschäft eingeführt hatte und wieder aufgeben musste: Die Fotos der Diebe waren für jeden Kunden sichtbar.

Weil er keine Beweise beibringen konnte: Frau belästigt Detektiv

Montag, Mai 17th, 2010

Wenn Detektive einen Auftrag annehmen, lautet die oberste Prämisse zweifelsohne, den Fall erfolgreich abzuschließen und den Mandanten die nötigen Beweise oder Informationen zu liefern. Doch das funktioniert nicht immer. Bei einer entsprechend heiklen Ausgangslage ist es durchaus denkbar, dass der Ermittler nicht die gewünschten Ergebnisse präsentieren kann, sondern mit leeren Händen Bericht erstatten muss. Was man sich daraufhin nicht gefallen lassen sollte, sind Beschimpfungen und Belästigungen vonseiten der Klienten. In der Schweiz wurde eine Frau deswegen zu einer Geldstrafe von 150 Franken verurteilt.

Die Lehrerin hatte den Privatdetektiv damit beauftragt, gegen Bekannte und Verwandte zu ermitteln. Sie sollen die heute 37-jährige bis ins Erwachsenenalter hinein sexuell misshandelt haben. Eine Strafanzeige blieb ohne Erfolg. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen fand seinerzeit keine Beweise für die Vorwürfe und stellte das Verfahren ein. Jetzt sollte der Ermittler die nötigen Fakten liefern, um den Fall erneut aufrollen zu können. Doch auch der Profi scheiterte an dieser Aufgabe. Seine Recherchen und Observationen erbrachten keine neuen Erkenntnisse. Niemand habe mit ihm sprechen wollen. Stattdessen sei der „Deckmantel der Familie“ ausgebreitet und geschwiegen worden.

Der Versuch, der Lehrerin klarzumachen, dass sie kaum Chancen habe, einen ihrer Peiniger erfolgreich anzuzeigen, endete für den Privatdetektiv im Fiasko. Wochenlang erhielt er Kurznachrichten und Anrufe von der Frau. Sie warf ihm vor, mit den anderen unter einer Decke zu stecken und erklärte vor Gericht, sie habe von dem Ermittler eine beleidigende SMS erhalten. Man habe sie provoziert, damit sie in den „offenen Hammer renne“. Die 37-jährige, die schon mehrmals in ähnlichen Fällen verurteilt worden war, befindet sich inzwischen in psychiatrischer Behandlung. Sie und der Detektiv stimmten dem Vergleich des Gerichts zu.

Videoüberwachung wird Diebin zum Verhängnis

Montag, Mai 3rd, 2010

Einen Fotoapparat zu stehlen und dabei von einer Videokamera aufgezeichnet zu werden, könnte man fast schon Schicksal nennen. Jedenfalls hat die moderne Überwachungstechnik in einem Elektronikmarkt hieb- und stichfeste Beweise dafür geliefert, dass sich eine 36-jährige Lehrerin mit wenig Erfolg als Langfinger versuchte. Mehr als das Videomaterial und die Aussage einer Verkäuferin benötigte das Amtsgericht in Ludwigsburg nicht, um die Frau zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je zehn Euro zu verurteilen.

Alle Versuche, das Gericht von ihrer Unschuld zu überzeugen, halfen nichts. Die Bilder sagten in dem Fall mehr als tausend Worte und sind ein Grund dafür, dass die meisten Geschäfte inzwischen auf eine Videoüberwachung setzen. Denn statt Wort gegen Wort steht in dem Fall Wort gegen unbestechliche Kamera. Hätte die Frau gewusst, dass sie bei ihrer Tat beobachtet wird, hätte sie es sich gut überlegt, die Digitalkamera für 1.000 Euro an der Kasse vorbei zu schmuggeln. Dass sie sich das Gerät vorher ganz genau von einer Verkäuferin hat erklären lassen, war ein weiterer Fehler. Damit stand für die Richter fest, dass die 36-jährige die Tat vorsätzlich und absichtlich begangen hat.

Versteckt hatte sie die mit 850 Gramm recht voluminöse Kamera unter einigen anderen Waren. Als Grund, den Apparat nicht bezahlt zu haben, führte sie Stress an, weil das Kind gequengelt habe. Zudem habe der Betriebsleiter Annäherungsversuche unternommen, die auch der Detektiv bemerkt haben müsse. Und überhaupt, wäre sie nicht so dumm, ihren Job als Lehrerin mit einer Straftat zu gefährden. Ihr Problem: Die Videoüberwachung zeigte, wie sie die Kamera nahm, versteckte und ohne zu bezahlen hinausging, bis der Ladendetektiv sie aufforderte, zur Kasse zu gehen.

Schummeleien von Bewerbern können Unternehmen teuer zu stehen kommen

Montag, April 19th, 2010

Wird ein falscher Arzt entlarvt und der Gerichtsbarkeit zugeführt, stellt sich vielen die Frage: Wie kann das passieren? Warum hat vorher keiner gemerkt, dass der Mann oder die Frau nie die Erlaubnis hatte, Menschen zu behandeln oder gar zu operieren? Die Antwort darauf ist so simpel wie ernüchternd: Es hat sich niemand die Mühe gemacht, den Lebenslauf und die Referenzen zu hinterfragen.

Meist fällt der Betrug erst auf, wenn es zu spät ist. Das gilt nicht nur im medizinischen Bereich und bei hochdotierten Posten. Inzwischen ist jeder Job so umkämpft, dass die Bewerberinnen und Bewerber zu nicht ganz astreinen Mitteln greifen, um sich in einem besseren Licht darzustellen.

Da den Personalabteilungen die Zeit fehlt, Punkt für Punkt und Zeugnis für Zeugnis auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, beauftragen viele Unternehmen Detektive. Ermittler, die schon seit Jahren im Geschäft sind, kennen die Tricks. Abgesehen vielleicht vom Foto – schließlich würde eine Retusche beim Vorstellungsgespräch auffallen – gibt es kaum einen Teil der Bewerbung, bei dem nicht geschummelt wird. Geht es nur darum, eine Lücke im Lebenslauf zu schließen, ist das vergleichsweise harmlos. Werden aber Belege beigefügt, die nicht vorhandene Qualifikationen vorgaukeln, kann das für ein Unternehmen ernste Folgen haben.

Angefangen beim Image-Schaden, wenn der Betrug auffliegt und in der Branche die Runde macht, bis hin zu möglichen Schadensersatzforderungen, weil die angebliche Fachkraft von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte. Zumindest Kandidat(inn)en, die in die engere Wahl für einen verantwortungsvollen Posten kommen, sollten daher vorab überprüft werden. Denn fehlendes Fachwissen wird in Vorstellungsgesprächen mit umso mehr Selbstbewusstsein überspielt. Die Detekteien nehmen sich in dem Fall die Zeugnisse vor, fragen bei vorherigen Arbeitgebern, der Schule oder der Universität nach. Damit geht man auf Nummer sicher und kann die Position punktgenau besetzen.

Der Vater klaut Schokolade und der Sohnemann Elektronik

Dienstag, April 6th, 2010

„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ oder „Wenn der Vater mit dem Sohne“ – beides trifft auf einen Vorfall in einem Kaufhaus in Saarlouis zu. Am Donnerstag vor den Osterfeiertagen – ein ohnehin schon stressiger Tag für den Einzelhandel, der den Sicherheitsfachkräften in der Regel viel Arbeit beschert – sorgte der Detektiv des Ladens für eine „Familienzusammenführung“ der besonderen Art. Sowohl der Herr Papa als auch der Filius hatten es mit dem Bezahlen der Ware nicht ganz so genau genommen und machten Bekanntschaft mit der Polizei.

Zuerst war dem Ladendetektiv ein Mann aufgefallen. Er hatte sich in der Süßwarenabteilung ein Überraschungsei und einen Schokoladenosterhasen geschnappt, ausgepackt und ließ sich die Leckereien bei seinem Rundgang durch den Supermarkt sichtlich schmecken. Kurz bevor der Ermittler den Schokofreund aufhalten und zur Rede stellen konnte, meldete sich die Alarmanlage am Eingang. Statt sich um den Mann zu kümmern, lief der Detektiv zur Auskunft. Dort traf er auf einen zwölfjährigen Jungen, der zwei Elektronikspiele eingesteckt, aber nicht bezahlt hatte.

Kurzum schnappte sich die Sicherheitsfachkraft das Mikro und ließ den Vater über die Lautsprecheranlage ausrufen. Lange dauert es nicht und der Papa kam – ausgerechnet der Mann, der sich vorher genüsslich am Schokohasen gelabt hatte. Damit konnte der Detektiv gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Er informierte die Polizei und wartete zusammen mit Vater und Sohn auf das Eintreffen der Beamten. Die nahmen die Personalien des 54-Jährigen auf, dem jetzt ein Ermittlungsverfahren droht.

Privatdetektiv soll Entführungsfall in Südafrika klären

Montag, März 22nd, 2010

Entführungsfälle gehören zweifelsohne zu den eher seltenen Aufträgen, mit denen es Detekteien zu haben. Das gilt umso mehr, wenn das Opfer nicht in heimischen Gefilden, sondern im Ausland verschwunden ist. Denkbar sind solche Auslandseinsätze. Viele Kunden entscheiden sich aber dafür, einen Privatdetektiv vor Ort mit der Suche zu betrauen. So auch im Fall Uwe Gemballa, der aktuell in den Medien diskutiert wird. Der Geschäftsmann, der sein Geld als Porsche-Tuner verdient, war vor sechs Wochen nach Südafrika gereist. Seit einem mysteriösen Telefonat fehlt jede Spur von ihm.

So wie es aussieht, ist der 52-Jährige aus Leonberg auf einen Betrüger hereingefallen. Er war auf der Suche nach Geldgebern, nachdem das Finanzamt einen Millionenbetrag von ihm zurückfordert hatte. Da kam der Anruf von einem angeblichen Interessenten aus Südafrika zum richtigen Zeitpunkt. Der Mann, dessen Name der Polizei bekannt ist, wollte eine Erbschaft in eine südafrikanische Niederlassung des Tuning-Experten investieren. Wie sich herausstellte, gab es nie eine Erbschaft. Stattdessen rief Uwe Gemballa zu Hause an und bat – für ihn absolut unüblich – in Englisch um eine Million Dollar. Das Geld benötige er, weil er einen Unfall gehabt habe, erzählte er seiner Familie.

Mehr weiß die Ehefrau nicht. Sie wartet seit sechs Wochen auf ein Lebenszeichen und übt jetzt offen Kritik an den Ermittlungsbehörden in Südafrika. Damit keine Schatten auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 fallen, werde die Familie nicht unterstützt. Christiane Gemballa ist fest davon überzeugt, dass ihr Mann in eine Falle gelockt und entführt wurde. Sie hat jetzt einen privaten Ermittler beauftragt, der klären soll, was genau passiert ist und wo ihr Mann festgehalten wird. Interpol hat sich inzwischen ebenfalls in die Ermittlungen eingeschaltet. Für das Tuning-Unternehmen vielleicht zu spät. Die Firma hat bereits einen Insolvenzantrag stellen müssen.

In Österreich blüht die Wirtschaftskriminalität

Montag, März 8th, 2010

An Ideenreichtum, den einen oder anderen Euro extra zu verdienen, mangelt es anscheinend nicht. Zusätzlichen Auftrieb erhält die Phantasie wohl durch die Finanz- und Wirtschaftskrise. Dass einige dabei in Grauzonen abtauchen oder sich gleich auf ein illegales Spielfeld begeben, sorgt allerdings für einen bitteren Beigeschmack. Der wiederum kommt den Detekteien zugute. Sie haben deutlich mehr zu tun – zumindest in Österreich. Die Chefs schauen viel genauer hin. Firmen greifen schneller ein. Denn in Zeiten der Krise will jeder seine Schäfchen im Trockenen und nicht im Stall eines anderen wissen.

Das gilt umso mehr, wenn die Bemühungen, den Betrieb „am Laufen“ zu halten, aus den eigenen Reihen torpediert werden. Da stehlen Hotelangestellte Geschirr, um es in anderen Unterkünften zu verkaufen, und ein Kfz-Meister wird in der Freizeit in der heimischen Garage zur Konkurrenz für den Arbeitgeber. Derlei Fälle kennt Berufsdetektiv Lukas Helmberger zuhauf. Sie füllen seine und die Arbeitsbücher der Kollegen. Wirtschaftskriminalität gehört inzwischen den häufigsten Auftragsgründen. Das liege ganz einfach daran, dass die Firmen auf jeden Cent achten müssten.

Umso ärgerlicher, wenn man dann auf Betrüger hereinfällt, die im Namen einer nicht existenten Gesellschaft Waren und Dienstleistungen erhalten, aber nie bezahlen. Damit haben die Ermittler ebenso zu tun wie mit betrügerischen Insolvenzen und dem Verdacht auf unlauteren Wettbewerb. Zudem steigt die Angst, sich eine Zecke in den Pelz zu setzen – also Mitarbeiter in die Firma zu holen, bei denen mehr Schein als Sein vermutet wird. Bei einem berechtigten Verdacht, und nur dann wie die Detektive betonen, werden die Personen überwacht. Man sei kein Datensammler und distanziere sich auch plumpen Schnüffelaufträgen.

Viele Detekteien in Österreich suchen angesichts der Auftragslage übrigens selbst Nachwuchskräfte. Da es keine staatliche Ausbildungsverordnung für Ermittler gibt, springt der Verband ein. Momentan werden vor allem Frauen für den verdeckten Personenschutz gesucht. Man(n) bzw. Frau sollte sich den Job allerdings nicht so vorstellen wie er im Fernsehen präsentiert wird. Reich werde man bei einem Einstiegsgehalt von rund 1.000 Euro netto auch nicht. Dafür kämen Adrenalinjunkies durchaus auf ihre Kosten.