28. September 2009
Der technische Fortschritt scheint unaufhaltsam: Mixer, die kochen können, Mikrowellen, die als Grill umfunktioniert werden, und Handys, die das Büro ersetzen. Während die meisten dieser Entwicklungen auf den täglichen Bedarf abgestimmt sind, gibt es da noch eine Reihe von Gadgets, deren Nutzen eher zweifelhaft ist – jedenfalls für Otto-Normal-Verbraucher. Sie haben ihren Ursprung in Agentenfilmen und können mittlerweile problemlos über das Internet bestellt werden: Von der Kamera im Streichholzschachtel-Format bis hin zum Wanzen-Detektor bietet der Detektivbedarf für Hobbyermittler alles feil.
Waren das noch Zeiten, als im Spielwarenhandel Detektiv-Koffer das Nonplusultra für junge Fans der „Drei Fragezeichen“ oder von „Kalle Blomquist“ waren. Lupe, Notizbuch, Fingerabdruckpulver und ein Set, mit dem sich Fahndungsbilder zusammenstellen lassen, gehörten zur Ausstattung und waren bestens zum Spielen geeignet. Heute muss es High-Tech sein. Der Onlinehandel hat sich bereits darauf eingestellt. Was sonst von 007 und Kollegen genutzt und in geheimen Labors entwickelt wurde, lässt sich bei diversen Versandhändlern per Mausklick in den Warenkorb legen. Günstig ist das Vergnügen allerdings nicht. Für ein Spionagehandy müssen rund 1.000 Euro investiert werden. Dabei kann es nicht viel mehr als ein gängiges Mobiltelefon.
Die Liste der Geräte, von denen einige durchaus für den professionellen Einsatz von Detektiven geeignet sind, reicht vom Fotoapparat in der Armbanduhr und Detektoren, die versteckte Videokameras und Wanzen aufspüren, über Brillenkameras, Richtmikrofone und Dietrich-Sets bis hin zu Mini-Spionage- und Feuerzeugkameras. Doch auch Fingerabdruck-Scanner und -Schlösser sowie GPS-Peilsender gehören zum gut sortierten Katalog der Branche. Bleibt die Frage: Wer braucht das alles? Dass Detekteien zunehmend auf moderne Technik angewiesen sind, versteht sich. Im privaten Bereich hingegen dürfte die Kamera in der Krawatte wohl eher eine Spielerei sein, die den kleinen Jungen im Mann weckt.
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14. September 2009
Industriespionage ist weltweit auf dem Vormarsch. In der Bundesrepublik scheint dieser Tatbestand Manager aber kaum zu stören. 75 Prozent der Unternehmen verfügen über keinerlei Abwehrmechanismen, um mögliche Spionagefälle aufzudecken oder aktiv vorzubeugen. Wenn überhaupt, setzen viele Firmen nur auf ihren Werksschutz. Dass es damit nicht getan ist, wird spätestens dann deutlich, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Leider passiert das öfter, als der Wirtschaft lieb sein kann. Auf 20 Milliarden Euro belaufen sich die Schäden durch Spionage alleine in Deutschland, so Dr. August Hanning, ehemals Präsident des Bundesnachrichtendienstes.
Eine deutlich höhere Zahl nennt die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW). Sie kommt auf 30 Milliarden Euro. So oder so: Es besteht Handlungsbedarf. Das müssen auch die Manager erkennen. Sie machen es Wirtschaftsspionen sehr leicht, an geheime Informationen zu kommen, monieren Experten. „Reaktiv statt präventiv“, bringt Maxim Worcester von der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG es auf den Punkt. Betroffen seien vor allem Unternehmen mit internationaler Ausrichtung und Firmen, deren eigenes Know-how das größte Kapital ist. Die Gefahr, dass diese Daten „abfließen“ und von der Konkurrenz genutzt werden, wächst stetig.
Als heikel werten die Sicherheitsexperten vor allem USB-Speichergeräte, vom einfachen Stick bis hin zur Armbanduhr mit mehreren Gigabyte Speicherkapazität. Bei Kontrollen werden sie in der Regel nicht entdeckt oder genauer überprüft. In solchen Fälle kommt die Gefahr von „innen“, sprich: Es sind die eigenen Mitarbeiter, die aus Unzufriedenheit oder dank guter Angebote der Konkurrenz zu Spionen werden. Hinzu kommt modernste Technik, mit der Gespräche abgehört und Daten ausgelesen werden. Hilfe gegen diese Angriffe von innen und außen bieten eine gezielte Lauschabwehr durch Profis von einer Detektei und ein auf die Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmtes Sicherheitskonzept.
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7. September 2009
Schrauben sind normalerweise Pfennigkram, oder – in Eurozeiten – für ein paar Cent zu haben. Gut, wenn man sie zu Hause hat, um beispielsweise ein Regal zu befestigen. Schlecht, wenn man sie nicht bezahlen möchte und dafür einen gewaltigen Hieb auf die Langfinger bekommt. Diese „schmerzhafte“ Erfahrung musste jüngst ein Arbeiter aus Wolfsburg machen, der in einem Baumarkt besonders clever sein wollte, dabei aber am Ladendetektiv scheiterte. Das Paket Schrauben, das er an der Kasse vorbei schmuggeln wollte, kommt ihn mit 1.600 Euro nun richtig teuer zu stehen.
12,99 Euro hätte der Dieb regulär bezahlen müssen, wollte er aber anscheinend nicht. Dafür hatte sich der 43-jährige auch schon eine Taktik zurechtgelegt. Anfangs füllte er seinen Einkaufswagen mit Bergen von Brikett-Paketen, also richtig viel Kohle. Damit fuhr er dann durch den gesamten Baumarkt, stöberte hier, guckte da. Das fiel dem Detektiv des Hauses auf. Er verfolgte den Mann und beobachtete, wie er in der Farbenabteilung plötzlich damit begann, die Tüten mit Briketts umzuschichten. Vor Gericht sagte der Ladendetektiv aus: „Die Pakete gingen von oben nach unten und von links nach rechts.“
Was sich hinter dieser Masche verbarg, merkte der Ermittler erst später. Durch das Umräumen hatte der Arbeiter einen Hohlraum geschaffen, in den er eine Packung mit Schrauben legte. Sie waren so gut versteckt, dass sie von außen nicht zu sehen oder auch nur zu erahnen gewesen wären. Dass dem so ist, kontrollierte der Langfinger laut Aussage des Detektivs zwischendurch immer wieder. Schließlich kam er immer näher Richtung Kassenbereich. Bei der Kassiererin hatte der Mann noch Glück. Sie übersah die Schrauben. Pech nur, dass die Sicherheitsfachkraft den 43-jährigen aufhielt.
Den Weg zum Gericht kannte der Langfinger bereits. Er ist einschlägig vorbestraft. Seinen Ausreden, es sei lediglich ein Versehen gewesen, dass die Packung mit den Schrauben nicht berechnet worden sei, glaubten weder der Richter noch der Staatsanwalt. Sie machten ihre ganz eigene Rechnung auf, um dem Mann die Augen zu öffnen. 1.600 Euro Strafe lautete das Urteil. Dafür hätte er viele Schrauben und noch mehr Briketts kaufen können.
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27. August 2009
Zum Repertoire der meisten Detekteien gehört auch der Personenschutz. Doch wie stellt man sich den perfekten Personenschützer oder auf Neu-Deutsch Bodyguard vor? Smart und flink wie Kevin Costner im Kino oder als Kleiderschrank, dessen grimmigen Blick man hinter der pechschwarzen Sonnenbrille nur erahnen kann? Der europäische Detektivverband EURODET hält breite, große und muskelbepackten Typen, die sämtliche Klischees des Personenschützers bedienen, nur bedingt für den Beruf geeignet. Insbesondere, wenn Frauen und Kinder beschützt und begleitet werden sollen, seien weibliche Bodyguards die bessere Wahl.
Das Problem: Es gibt nur sehr wenige Frauen, die bereit sind, sich auf diesen Job einzulassen und entsprechend ausbilden zu lassen. Dabei sind die Berufschancen in Österreich sehr gut. Die Branche boomt, weil der Staat sparen muss. In die Bresche springen private Unternehmen, die sich damit lukrative Aufträge sichern. Beim Personenschutz gilt es in der Alpenrepublik allerdings eine Beschränkung: Diese Aufgabe dürfen ausschließlich Berufsdetektive übernehmen. EURODET bietet daher Kurse an, in denen das nötige Fachwissen vermittelt wird, um später Prominente, Wirtschaftsvertreter und Sportler bei Auftritten und Reisen bewachen zu können.
180 Stunden dauert ein solcher Kursus, der über zweieinhalb Monate geht. Auf dem Stundenplan stehen Waffen-, Rechts- und Sprengstoffkunde, die Gefährdungsanalyse, der Umgang mit Waffen – hierzu gibt es inzwischen schon Videos auf youtube – Erste Hilfe, Taktik und natürlich Selbstverteidigung. Neben einem einwandfreien Leumund sind körperliche Fitness und Lernbereitschaft Grundvoraussetzungen, um an der EURODET-Fortbildung teilnehmen zu dürfen. Frauen erhalten für den nächsten Lehrgang, der am 14. September beginnt, einen Extra-Bonus. Sie zahlen 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.
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20. August 2009
Aufgabe von Detekteien ist es unter anderem, Beweise zu sammeln, die einen Anfangsverdacht bestätigen oder gegebenenfalls auch widerlegen. Wie diese Beweise bewertet werden, obliegt dann nicht mehr den Detektiven, sondern häufig Richtern und Staatsanwälten. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, wie unterschiedlich Gerichte das Beweismaterial einstufen, und dass es durchaus auch überraschende Urteile geben kann.
Im ersten Fall versuchte eine Klinik-Gruppe einen Betriebsrat vor die Tür zu setzen. Das Verdi-Mitglied und der neue Verwaltungsdirektor waren sich von Anfang nicht grün. Um eine Grundlage für eine außerordentliche Kündigung zu haben, wurden Detektive beauftragt, den Mann zu observieren und Fehltritte zu dokumentieren. Das Vorgehen der Ermittler wurde von Verdi-Vertretern später als „Psycho Terror“ vergleichbar mit „Stasi-Methoden“ beschrieben. Die Detektive verfolgten den Betriebsrat auf Schritt und Tritt, tätigten Kontrollanrufe und standen regelmäßig vor der Haustüre. Vorbildlich war diese Art der Detektivarbeit sicherlich nicht. Auch am Erfolg mangelte es: In der Akte standen nachher lediglich Dienstfahrten, die angeblich falsch abgerechnet worden waren. Schaden: 11,20 Euro. Diese Beweise spielten vor Gericht gar keine Rolle. Die Klage der Klinik blieb vorerst erfolglos.
Der zweite Fall spielt in der Schweiz. Zwar gilt das Land als reich, doch auch hier gibt es Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Eine 46-jährige Frau hatte sich arbeitsunfähig gemeldet und erhielt daraufhin so genannte IV-Leistungen. Dass die Frau tatsächlich nicht arbeiten konnte, wurde vorab von einem Gutachter untersucht. Die Unfallversicherung schickte dennoch einen Detektiv, der sehr schnell Beweise dafür lieferte, dass die Frau recht aktiv im Haushalt werkelte. Die erste Instanz verurteilte die Leistungsempfängerin wegen Betrugs. Die zweite Instanz hingegen sprach sie von dem Vorwurf frei. Stattdessen schoben die Richter die Schuld auf den Gutachter, der sich von der Frau habe täuschen lassen. Der Arzt spricht von einem Skandal, zumal eine medizinische Begutachtung stark auf Treu und Glauben basiere und man erst einmal darauf vertrauen müsse, dass der Patient seine Lage wahrheitsgemäß schildere.
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10. August 2009
Madeleine McCann gehört zweifelsohne zu den bekanntesten Entführungsopfern der vergangenen Jahre. 2007 war die damals Dreijährige aus einer Ferienanlage an der Algarve entführt worden. Seither gab es viele Pannen, Missverständnisse, aber noch keine konkreten Ergebnisse. Die Polizeiakte dürfte inzwischen mehrere tausende Seiten umfassen. Gleiches gilt für die Detekteien, die sich direkt nach dem Verschwinden an die Arbeit gemacht haben. Waren es erst spanische Privatermittler, die einen schnellen Erfolg versprachen und sich damit übernommen hatten, ist jetzt Dave Edgar für die Eltern, Kate und Gerry McCann, aktiv.
Nachdem es lange ruhig war und so schien, als sei der Fall ad acta gelegt worden, präsentierte der Brite jetzt eine neue Spur. Dass sie zwei Jahre alt ist und damit vermutlich wieder im Sand verläuft, spielt keine Rolle. Der Detektiv hat einen Zeugen gefunden, der Kontakt zu einer vermeintlich Verdächtigen hatte. Sie soll den britischen Touristen am Jachthafen in Barcelona angesprochen und nach einem Mädchen gefragt haben. Der Zeuge erinnert sich an folgende Worte: „Haben Sie sie? Haben meine Tochter mitgebracht?“ Die Frau mit australischem Akzent schien sehr nervös zu sein und lief anschließend zu einem Mann in eine Bar. Vermutlich hielt sie den Urlauber für den Kurier, der das Mädchen bringt.
Die Frau soll Victoria Beckham ähneln – obwohl das Phantombild nur eine vage Ähnlichkeit vermittelt –, etwa 30 bis 35 Jahre alt, 1,75 Meter groß und schlank sein. Mehr Details hat der Privatdetektiv bislang nicht an die Öffentlichkeit gegeben. Dass der Zeuge sich erst jetzt meldet, viel zu spät, wird mit der Angst des Mannes begründet, seine Frau hielte ihn für einen Schürzenjäger, der im Urlaub mit fremden Frauen spricht. Die Spur belegt jedenfalls eine Theorie: Maddie wurde entführt, per Schnellboot von der Algarve nach Spanien gebracht und dort an ein kinderloses Ehepaar verkauft. Inwieweit der Fahndungsaufruf nach der Frau, die nun offiziell auch von der australischen Polizei gesucht wird, etwas bringt, wird sich zeigen.
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3. August 2009
Da sage noch einer, Kinder interessieren sich nur für PC-Spiele, Fußball, Puppen und Pferde. In Jever hat ein Zehnjähriger detektivischen Spürsinn bewiesen und damit die Polizei auf die richtige Spur bei der Aufklärung eines Diebstahls gebracht. Im Grunde genommen war es allerdings mal wieder Kommissar Zufall, der seine Hände im Spiel hatte und die Fäden im Hintergrund zog. So kam der Junge just in dem Moment an dem Geschäft vorbei, als der Dieb mit einem Affenzahn vom Parkplatz sauste. Normalerweise nichts Ungewöhnliches, wenn es jemand eilig hat und nicht so genau mit der Straßenverkehrsordnung nimmt. Der junge Detektiv wertete es gleich als Flucht und lag damit goldrichtig.
Den Großeltern des zehnjährigen „Ermittlers“ war das Fahrzeug gar nicht aufgefallen. Sie fuhren mit ihrem Enkel ganz gemütlich durch Jever. Da sorgten quietschende Reifen für die Aufmerksamkeit des Jungen. Er sah ein Auto, das viel zu schnell davonfuhr. Als dann auch noch zwei Mitarbeiter eines Geschäftes auf den Parkplatz gelaufen kamen, schnappte sich der Junior-Detektiv sein Mobiltelefon – die Vorzüge moderner Technik kann man nie früh genug kennen lernen – und speicherte alle Details zum Fahrzeug und der flüchtenden Person. Nach einiger Zeit ließ ihm der Vorfall dann keine Ruhe mehr und er rief die Polizei in Jever an.
Die Beamten staunten nicht schlecht, als der Schüler ihnen den Fahrer und das Auto beschrieb. Lange dauerte es nicht und die Profis konnten den Straftäter dingfest machen. Er war nicht umsonst viel zu schnell gefahren. Im Gepäck hatte er Duftwässerchen im Wert von über 450 Euro, die er zuvor aus dem Geschäft gestohlen hatte. Ob der Ladeninhaber und die Polizei sich bei dem Zehnjährigen erkenntlich zeigen, bleibt abzuwarten. In Österreich hätte EURODET, der europäische Detektiv-Verband, vermutlich sofort reagiert. Denn mit EURODET-Teens bietet er ein eigenes Programm, um Kinder und Jugendliche für die Kriminalistik zu begeistern.
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13. Juli 2009
Die britische Yellowpress ist bekannt dafür, auch kleinste Skandale, Fehltritte oder Neuigkeiten wie eine Zitrone auszupressen und in Riesenlettern auf der Titelseite auszuschlachten. Jetzt sind die beiden Boulevardblätter „News of the World“ und „The Sun“ selbst Thema der Schlagzeilen. Sie haben mit Hilfe einer Detektei die Handys tausender Prominenter, ob nun aus Film, Fernsehen, Politik oder Hochadel, angezapft und sich Zugriff zu den Mailboxen verschafft. Die vertraulichen Informationen wurden dann direkt in auflagensteigernde News verarbeitet. Modell Elle MacPherson (The Body) ist von der Abhöraktion ebenso betroffen wie der ehemalige Vize-Premierminister John Prescott und Schauspielerin Gwyneth Paltrow.
Dass sich die beiden Zeitungen widerrechtlich an den Sprachnachrichten zu schaffen machen, ist in der Branche längst bekannt. Schon 2007 standen ein Korrespondent der „News of the World“ und ein Privatdetektiv vor Gericht. Sie hatten es auf die Mailboxen des Personals der Queen abgesehen und waren dabei aufgeflogen. Der Detektiv zeigte sich weitaus gesprächiger als es dem Verlag lieb sein konnte. Er deutete an, dass man lediglich die Spitze des Eisberges aufgedeckt habe und weit mehr Personen abhört würden als nur die Damen und Herren rund um die Royals. Um das Thema so schnell wie möglich von der Bildfläche verschwinden zu lassen, zahlte die zum Imperium von Rupert Murdoch gehörende News Group eine Million Pfund Schweigegeld an einige Promis.
Das wird auf Dauer nicht reichen. Denn die Behörden haben im Haus des Privatdetektivs längst Listen gefunden, auf denen die Namen weiterer Prominenter stehen. Ein gefundenes Fressen für die übrigen Zeitungen auf der Insel, darunter der „Daily Telegraph“. Sie berichten, dass immer mehr Opfer – die Rede ist von insgesamt weit über 3.000 Prominenten – klagen wollen. Spannend würden die Prozesse allemal – und sicherlich medienwirksam inszeniert. Ob auch bei Scotland Yard Konsequenzen gezogen werden, ist fraglich. Gewusst hat die Polizei von den Vorgängen, sie aber nicht unterbunden. Auch der Parlamentsausschuss, der für die Medien zuständig ist, hat sich nur halbherzig mit den Vorfällen befasst.
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6. Juli 2009
Die Liste der Unternehmen, die ihre Mitarbeiter bespitzeln bzw. bespitzelt haben, wird immer länger. Jetzt steht die Deutsche Bank in der Kritik, dass sie Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder sowie kritische Aktionäre von Detektiven hat überwachen und kontrollieren lassen. Beauftragt wurde die Detektei, die sich bereits bei der Telekom-Affäre nicht gerade rühmlich verhalten und gleich eine ganze Branche ins Zwielicht gestellt hat. Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, räumt „mögliche einzelne“ Verstößen gegen die Datenschutzbestimmungen ein. Von Stasi-Methoden zu sprechen, ist hier durchaus angebracht. Die Privatermittler, die für den Bankenprimus aktiv wurden, haben ihr Handwerk bei der Staatssicherheit der ehemaligen DDR gelernt.
Aufgedeckt hat den Skandal das Magazin „Spiegel“. Ganz sicher ist, dass Gerald Herrmann vom Aufsichtsrat der Bank und eines Zeichens Vertreter der Gewerkschaft Verdi überwacht wurde. Bei ihm hat sich die Deutsche Bank „formell und förmlich“ für die Vorgänge aus dem Jahr 2001 entschuldigt. Seinerzeit hatte Herrmann die Renditeziele der Bank angesichts des gleichzeitigen Stellenabbaus in Frage gestellt. Vorgeworfen wurde ihn, vertrauliche Daten weitergegeben zu haben. Da der Verdacht völlig aus der Luft gegriffen war, hatten die Detektive in diesem Fall nur wenig zu tun und konnten ihre Überwachung schon nach kurzer Zeit abbrechen.
Da die Deutsche Bank sich selbst bei der Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gemeldet hat, erfolgt jetzt eine Sonderprüfung. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein, insbesondere, ob es sich wirklich nur um Einzelfälle handelt, die jetzt ans Tageslicht kommen. Laut „Spiegel“ lässt sich anhand eines internen Prüfberichtes des Kreditinstitutes ablesen, dass auch Vorstandsmitglieder observiert worden sind. Sie sollen in Kontakt zum ehemaligen Medienmogul Leo Kirch gestanden haben, der die Bank für seine Pleite verantwortlich macht und klagt. Ebenfalls auf der Liste der Überwachungsopfer steht ein Aktionär, der sich kritisch geäußert hatte. Ihm haben die Detektive sogar mit weiblichen Lockvögeln eine Falle stellen wollen.
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29. Juni 2009
Seine ganze Wut, erwischt worden zu sein und vermutlich auch noch angezeigt zu werden, hat ein Ehepaar aus Köln an einem Ladendetektiv ausgelassen. Der Ermittler hatte den 51-jährigen und dessen 54-jährigen Frau beim Zigarettendiebstahl beobachtet. 36 Packungen waren in den Taschen der beiden gelandet. Als der Detektiv versuchte, das Paar aufzuhalten, wurde er vom Mann angegriffen. Die Frau schnappte sich währenddessen die Autoschlüssel, startete ihren Polo und hielt schnurstracks auf den Ermittler zu. Der Devise folgend, „doppelt hält besser“, fuhr sie ihn gleich zwei Mal an. Die Quittung verpasste den beiden das Schöffengericht beim Amtsgericht Köln: Eineinhalb Jahre auf Bewährung und 3.600 Euro Schadensersatz – ein dicker Batzen für die Hartz-IV-Empfänger.
Eingebrockt hat sich das Ehepaar den Ärger selbst. Tätliche Übergriffe gegenüber Detektiven, gerade in Kaufhäusern, gehören zwar leider zur Tagesordnung und werden entsprechend geahndet. Aber sich gleich in bester Hollywood-Manier den Weg frei fahren zu wollen, ohne Rücksicht auf Verluste, ist glücklicherweise doch eher die Ausnahme. Für den Detektiv endete sein Einsatz im Krankenbett. Einen Monat lang war er arbeitsunfähig. Das schien die beiden Täter weniger zu stören. Sie fühlen sich offensichtlich von der Gesellschaft und ganz besonders dem Ermittler unverstanden. Den Richtern wollten sie daher auch weiß machen, sie hätten gar nichts getan.
Der Mann behauptete, der Detektiv hätte ihn attackiert. Die Frau versuchte es mit der Aussage, der Ermittler sei ihr absichtlich vor das Auto gesprungen. Da es Zeugen für die Tat gab und der Kaufhausdetektiv sich glaubwürdiger präsentierte, musste eigentlich nur noch das Strafmaß festgelegt werden. Dass Staatsanwältin und Gericht sich über eine deutliche Strafe einig waren, hat das Paar seinem Starrsinn zu verdanken. Denn damit gingen sie dem Richter gewaltig auf die Nerven: „Sie kapieren wohl gar nichts. Ihrer Ansicht nach sind wohl alle hier im Gerichtssaal bekloppt und nur Sie haben sich nichts vorzuwerfen.“ So ungefähr wird es wohl sein, denn die beiden wollen ob des unverschämten Urteils Berufung einlegen.
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